Im Fokus #2:

LIDIA FIABANE im Atelier

In Wien-Landstraße befindet sich das Atelier von Lidia Fiabane. Die aus dem norditalienischen Belluno stammende Künstlerin ist nach wie vor  stark mit ihrer Heimat verbunden und beteiligt sich immer wieder vor allem in Italien an zahlreichen Projekten.

Basierend auf ihren Studien der Architektur, Kunstgeschichte und Literatur arbeitet sie an sehr umfassenden und prozesshaft angelegten Werkserien. Ihrem Interesse für Sprache(n), für Kommunikation, sowie für typische Verhaltensweisen, Klischees und Rollenbilder verleiht sie Ausdruck, aber sehr subtil und meist auch erfrischend ironisch.

'Im Anfang war das Bild'.….. und das Bild, das vorhanden war, wurde dann ver-rückt.

Auf diese Art beginnen alle meine Projekte, das Ver-rücken ist der erste Schritt und gleichzeitig der gemeinsame Nenner. (Lidia Fiabane)

Was bei oberflächlicher Betrachtung der Werke so leicht, beinahe unbeschwert wirkt - nicht zuletzt durch die Verwendung von Transparentpapier, wie es die Künstlerin von der Architekturzeichnung kennt - gleicht einem Spiel, dem das "Ver-rücken" von Objekten und Personen zugrunde liegt. Und es beginnt damit, dass Lidia Fiabane Bilder von Personen und Objekten aus ihrem jeweils ursprünglichen Kontext löst und neue Zusammenhänge oder Gegensatzpaare definiert.

Die große und als aufwendiges interaktives Projekt angelegte Werkserie "Solitario", vor der die Künstlerin auf einem der Atelierbilder zu sehen ist, basiert auf Abbildungen zahlreicher einzelner Personen, die ursprünglich zufällig auf diversen Fotos zu sehen waren. Stark verkleinert und relativ dicht nebeneinander stehend findet man sie nun auf den hier gezeigten Objekten der Serie "FATA MORGANA. Alltagsvariationen" wieder.

In den Collagen "Greetings from Italy" wird zusammengefügt, was im Grunde unmöglich ist, aber so wunderbar passt. Berninis Marmorbüste "anima beata", die "fromme Seele" mit ihrem verklärten, himmelwärts gerichteten Blick, der nun "korrigiert" werden soll, gehört zu den neuesten Bildern dieser Serie.

"Caramelle" heißt das aktuellste Projekt und erinnert an die bunten Süßigkeiten, die Lidia Fiabane noch aus ihrer Kindheit kennt. Sie werden über den Bildgrund verteilt, kreisförmig um Figuren angeordnet, fügen sich auch zu Gebilden zusammen, die durch Zupfen - eine, wie die Künstlerin meint "weibliche Geste" - veränderbar sind, während andere Gebilde - dem Klischee entsprechend - durch männliche Kraft bewegt oder hoch gehoben werden können. Und manchmal bekommt man den Eindruck, dass Alles irgendwie mit Allem vernetzt und verbunden sein könnte, wie im ganz neuen und derzeit einzigen roten Bild dieser Werkserie.

 

Michaela Seif

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Christine Maringer